Da, wo der Moosbach im sogenannten Hochfall einen mächtigen Kopfsprung in einen steinernen Kessel macht, den er sich selber gegraben hat, beginnt eine tiefe, schaurige Waldschlucht. Steil steigen die Felswände an und schon von weitem vernimmt der Wanderer das Tosen und Rauschen des Gebirgsbaches, besonders wenn im Auswärts die Schneewasser zu Tal schießen oder wenn in heißen Sommern ausgiebige Gewitterregen niedergehen.
Einer alten Sage nach beginnt hier eine Goldader, die so dick ist wie ein Bloch und bis ins Böhmen hineinreicht. Von dort her kam in früherer Zeit alljährlich ein Männlein, das in der Mooshäng nach Gold grub, sich sein Ränzlein mit schimmerndem Erz füllte und dann jedesmal spurlos wieder verschwand.
Der alte Moosbauer, der das Männlein oft und oft über die Nacht behielt, hat es einmal nicht mehr lassen können und hat es nach der Goldgrube gefragt. Das Männlein hat ihm auch den Ort beiläufig verraten und ihm gesagt, daß es bei seiner nächtlichen Arbeit in der Grube beim Heiderer in der Lohwies das Licht brennen sehe. Die Grube, in der ein Pickel liege, sei mit einer vermoderndden Rane zugedeckt.
Daraufhin hat der Moosbauer eifrigst nach dem Schatze gesucht. Jedoch soll ihm immer wieder der Böse etwas dazwischengemacht haben. Einmal hat er sich während der Prozession am Kranzltag ganz allein auf die Suche begeben. Wie er in der Nähe der beschriebenen Stelle ist, schlieft durch das Unterholz sein Häuselmann daher. “Da schau her”, denkt er, “so ein falscher Tropf, nie hat er ein Wort davon gesagt und nun sucht er auch nach dem Gold!”
So packt ihn der Zorn, daß er umkehrt und heimgeht. Wie er sich seinem Hofe nähert, kommt der Häuselmann eben von der Kirche heim.
Einmal hat er sich sogar einen Erdspiegel beschaffen wollen, in dem er die Goldader gesehen hätte. Dazu hätte er sich neun Tage nicht mehr auswaschen dürfen, auch solange nicht mehr beten, kein Weihwasser nehmen und nicht mehr in die Kirche gehen.
Etliche Tage hat er es auch getan, dann aber hat ihn das Grausen gepackt und er hat die Sache mit dem Erdspiegel wieder aufgegeben.
Von dem Schatz geht auch eine Prophezeiung, die besagt, daß auf den Mooshof eine Wirtin komme, die den armen Leuten viel Gutes tue und viel verschenke. Infolge ihrer Gutherzigkeit hause sie aber ab. In letztere Stunde öffne sich dann die Goldgrube.
Quelle: Bodenmaiser Sagen, Dr. Reinhard Haller


