Die Wilde Jagd nimmt einen kleinen Buben mit

10.01.2010

Wilde Jagd

Die Wilde Jagd nach Peter Nicolai Arbo

Die Wilde Jagd fliegt jede Nacht über Bodenmais hinweg. Man fürchtet sie nicht. Wichtig ist nur, daß die Zuschauer während des Vorgangs stumm bleiben. Einmal fliegt sie von Bodenmais nach Waldmann. Eine Frau, ein Bub und ein Hund stehen vor dem Haus. Die Frau hört von Ferne ein Singen, Lachen, Weinen und Juchzen. Sie bietet der Wilden Jagd ihren Hund “Waukerl” an. Den lehnt die Wilde Jagd ab, dafür nimmt sie den Buben mit. Nach drei Tagen finden Holzhauer im Ecker-Berg ein Bein des Knaben:

De Wejd Jocht, de is aah frejhers gflogn. De host ojj Nocht sehgn kinna. Na ja! Hamand d’Lät net gfoarchtn! Wenn s’ nix do’ hamand dagegn, ober daß s’ nix gsogt hamand, – und des hot neamad do’, – ejtz hot s’ koa Macht ghot und is hojt einfach übergflogn!

Is über’n Bomoas aahr amoj übergflogn. Her aaf d’Wojdma’-Hääser do, in dem Haas do, wou het d’ Schlewiski drin is. Do is’s Wä noh mit’n koarn Baoum aawer zun Wossermocha. Der Hund is aah danebn gstandn, der hot Waukerl ghoessn, der Hund. Naja, derwei kimmt de Wejd Jocht daher, net. Und do derf ma ninx sogn!

Ejtz hot des Wä de Wejd Jocht ghört vo der Wätn. Hot ojjerhand gsunga und glocht, gweut und gjucherzt, a so is s’kemma. Und des Wä mit’n kloan Baoum draaßt gwen! Hot’s gsogt: “Huss, Waukerl, du aah mit!” hot ober en Hund gmeut, net! Is s’ scho do aah gwen, de Wejd Jocht. Und hot ihr net en Hund, sondern en Baoum mitgnumma!

Noh drä Tognen amoj hamand d’Hojzhaaer in Ecker-Ber en oazejner Haxn vo dem kloan Baoum gfuna. Ja! Des ist a läder Plotz gwen, draasst in Wojdma’!”

Quelle: Bodenmaiser Sagen, Dr. Reinhard Haller

Ein unehrlicher Bergmann muß verbluten

10.01.2010

Bergmann

Bergmann

Außerordentliche Erzfunde müssen dem Steiger angezeigt werden. Ein Bergknappe aber behält das glänzende Katzensilber, schiebt es in die Hosentasche, verletzt sich damit am Finger und muß verbluten. Ehrlichkeit ist des Bergmanns erste Pflicht:

“Wenn mar in Ber ebbs gfuna hot, wos a weng glanzader gwen ist, hot’s der Stäger gläh e’gschobn. Des hot ma o’liefern mejssn!

Oamoj hot oaner a Kotznsejber aberbrocha und hot’s net o’gliefert. Hot’s in d’ Hosntaschn e’gschobn. Wej er wieder eneglangt, noh aner Zät, hot er sih gschnittn. Des schaat aas wej so feine Blattl! Er hot sih voblejtn mejssn, wa er net ehrlih is gwen. Waou kam ma denn do hi, wenn en ejder in san Bätl eneoarbatn tat?”

Quelle: Bodenmaiser Sagen, Dr. Reinhard Haller

Ein Erzsucher aus Böhmen entdeckt die Gottesgabgrube

10.01.2010

Die uralte Gottesgabgrube am Silberberg ist einmal sehr reich an guten Erzen gewesen. Entdeckt hat sie ein Erzsucher aus Böhmen. Vielleicht hat dieser einen Erdspiegel besessen, mit dem man in die Erde schauen kann! Der fremde Mann hat den Fund jahrelang verschwiegen. Reich ist er schon geworden von dem Gold und Silber, aber geholt hat er ihn auch, der Teufel:

“D’ Gottsgo, des maou de ojjer äjter und aah de ojjer rächer Graoubn gwen sa. Ober der wej s’gfuna hot, hot nix vorotn. A poor Jahrl hot er’s a so triebn, bis s’ eahm draafkemma hand. Von Böhm aawer maou er gwen sa. Der, moen ih, hot en Erdspejgl ghot, waou ma in d’Erd eneschaa kunn. Waou ma ojjs sehgt damit!

Waou er nochand hi is, des woaß ih net. Der maou ungeheier räch woarn sa von den Gojd und Sejber. Ober ghojt hot’n der Teife aah. Hamand’s owei gsogt, de Ojtn!

Berlät hand dersejmst im Bomoas noh net do gwen!”

Quelle: Bodenmaiser Sagen, Dr. Reinhard Haller

Die Goldgrube in der Mooshäng

10.01.2010

GoldsucherDa, wo der Moosbach im sogenannten Hochfall einen mächtigen Kopfsprung in einen steinernen Kessel macht, den er sich selber gegraben hat, beginnt eine tiefe, schaurige Waldschlucht. Steil steigen die Felswände an und schon von weitem vernimmt der Wanderer das Tosen und Rauschen des Gebirgsbaches, besonders wenn im Auswärts die Schneewasser zu Tal schießen oder wenn in heißen Sommern ausgiebige Gewitterregen niedergehen.

Einer alten Sage nach beginnt hier eine Goldader, die so dick ist wie ein Bloch und bis ins Böhmen hineinreicht. Von dort her kam in früherer Zeit alljährlich ein Männlein, das in der Mooshäng nach Gold grub, sich sein Ränzlein mit schimmerndem Erz füllte und dann jedesmal spurlos wieder verschwand.

Der alte Moosbauer, der das Männlein oft und oft über die Nacht behielt, hat es einmal nicht mehr lassen können und hat es nach der Goldgrube gefragt. Das Männlein hat ihm auch den Ort beiläufig verraten und ihm gesagt, daß es bei seiner nächtlichen Arbeit in der Grube beim Heiderer in der Lohwies das Licht brennen sehe. Die Grube, in der ein Pickel liege, sei mit einer vermoderndden Rane zugedeckt.

Daraufhin hat der Moosbauer eifrigst nach dem Schatze gesucht. Jedoch soll ihm immer wieder der Böse etwas dazwischengemacht haben. Einmal hat er sich während der Prozession am Kranzltag ganz allein auf die Suche begeben. Wie er in der Nähe der beschriebenen Stelle ist, schlieft durch das Unterholz sein Häuselmann daher. “Da schau her”, denkt er, “so ein falscher Tropf, nie hat er ein Wort davon gesagt und nun sucht er auch nach dem Gold!”

So packt ihn der Zorn, daß er umkehrt und heimgeht. Wie er sich seinem Hofe nähert, kommt der Häuselmann eben von der Kirche heim.

Einmal hat er sich sogar einen Erdspiegel beschaffen wollen, in dem er die Goldader gesehen hätte. Dazu hätte er sich neun Tage nicht mehr auswaschen dürfen, auch solange nicht mehr beten, kein Weihwasser nehmen und nicht mehr in die Kirche gehen.

Etliche Tage hat er es auch getan, dann aber hat ihn das Grausen gepackt und er hat die Sache mit dem Erdspiegel wieder aufgegeben.

Von dem Schatz geht auch eine Prophezeiung, die besagt, daß auf den Mooshof eine Wirtin komme, die den armen Leuten viel Gutes tue und viel verschenke. Infolge ihrer Gutherzigkeit hause sie aber ab. In letztere Stunde öffne sich dann die Goldgrube.

Quelle: Bodenmaiser Sagen, Dr. Reinhard Haller

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